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Die erste Reise zu dritt - Roadtrip Schweden

Wer einmal eine Reise tut,

der kann etwas erzählen. Mikas erste Reise nach Schweden ist so eine.

 

Schon mal was von PaulCamper gehört?,

fragt Hannes mich an einem Samstagfrüh im Bett. Ich schaue ihn verdutzt an und erwidere "Was ist mit Paul, wieso campt der jetzt?"

In den nächsten Minuten erfahre ich, dass Paul Camper ein Unternehmen ist und Campervans von privaten Leuten vermietet. Nach zehn Minuten des Nachdenkens und Überlegens steht fest, dass Mika seinen ersten Urlaub in Schweden verbringen wird.

 

Ein Roadtrip ist die einfachste Variante des Reisens, finanziell überschaubar und flexibel, falls Mika es nicht gefällt. Wir könnten jederzeit zurück fahren. Kein Flug der uns daran hindert oder gebuchte Hotels.

Gesagt, getan! Es geht für 14 Tage nach Schweden. Unser erster Urlaub mit Baby - 3 Monate alt.

 

Kleiner Tipp: Fahrt ihr auch zu dritt?

Es gibt Vans, die vorne drei Sitze haben. Mika fährt immer zwischen uns in seiner Babyschale. Niemand muss in den hinteren Reihen versauern, wir sind stets vorne zusammen.


Schweden im Juli - 6 Grad und Nieselregen

 

Wir staunen nicht schlecht als wir in Schweden ankommen. Es ist saukalt. Mika zu stillen und zu wickeln ist kein Spaß. Alles muss schnell gehen damit er nicht friert. So habe ich mir den Sommer in Schweden nicht vorgestellt.

Zum Glück hat mich beim Packen mein Mutterinstinkt nicht verlassen. Ich habe eine Art Winterausrüstung für unser Travelkid dabei. Warme Wolljacke, Mütze, und Strumpfhose. Nie hätte ich gedacht, dass Mika diese Kleidung fast ausschließlich die nächsten 2 Wochen trägt.

 

Was wir vorhaben klingt etwas verrückt. Wie sich heraus stellt, ist es das auch. Wir wollen von Malmö hoch ins Fjällgebiet, da wo es keine Bäume mehr gibt, keine großen Städte - nur wilde weite Natur und unendliche Ruhe. Wir hatten gelesen, dass hier wochenlange Weitwanderungen möglich sind ohne einen Menschen zu treffen. Klingt spannend oder?

 

Mika gibt natürlich den Zeitrahmen vor. Wir müssen mindestens alle zwei Stunden zum Stillen anhalten und meistens wickeln wir ihn dann auch gleich. Ob wir dann noch weiter fahren oder uns ein Nachtplatz suchen, hängt ganz von uns und seiner Laune ab. Sobald Mika etwas rum nörgelt, halten wir an und gehen mit ihm spazieren. Dadurch stellen wir sicher, dass er immer gern wieder zurück in seine Babyschale will und sich auf die Weiterreise freut.


Stockholm - so schön kann Stadt sein

 

Auf unserem Weg stoppen wir natürlich in Stockholm und sind ganz aus dem Häuschen. Stockholm gehört wohl zu den schönsten Hauptstädten Europas. Jedoch auch zu den teuersten. Ein Kaffee kostet hier sagenhafte 8 Euro, schmeckt aber auch grandios. Wir nehmen den Sightseeing Bus um uns einen Überblick zu verschaffen. Mika gefällt es. Wir sind auch beeindruckt und zwar von der Ruhe, die diese Stadt ausstrahlt.

 

Anders als viele andere Städte fühlen wir uns überhaupt nicht gestresst sondern eher entspannt. Wir liegen in einen der zahlreichen Parks rum und Hannes nimmt spontan an einem kleinen Klimmzug Wettkampf teil und gewinnt ein Eis für mich.

 

Wir haben uns für eine, nur auf den ersten Blick, etwas ungewöhnliche Übernachtungsvariante entschieden. Vaxholm Camping. Eine kleine Insel mit schnuckeliger Altstadt im Schärengarten vor den Toren Stockholms. Nach dem Frühstück am Strand nehmen wir vom Hafen aus die Fähre in die Stadt hinein und genießen aus vollen Zügen die Panoramafahrt durch die Schären mit Anleger mitten in der Altstadt. Ein entspannteres und schöneres Ankommen in einer Stadt kann ich mir nicht vorstellen.


Zwischenstopp Schärenküste - mein persönliches Highlight

 

Weiter gehts zur Schärenküste Stockholms. Ich kann gar nicht glauben, dass dies immernoch die Ostsee ist. Ich fühle mich wie im Mittelmeer. Die kleinen Inselchen ringsum, alle bebaut mit prächtigen Villen, sind richtig schmuck anzusehen. Am liebsten würde ich sofort eine kaufen.

Dieses Fleckchen Erde solltet Ihr Euch ansehen. Am besten Ihr bucht eine Bootstour und genießt die Wasserlandschaft.

Wir jedenfalls werden diese Gegend nochmal besuchen. Wir sind begeistert! Auf den Felsen sitzen die Menschen wie wir am Strand liegen. Einige sonnen sich, springen ins Wasser und genießen ihren Feierabend. Wir sind natürlich ihrem Beispiel gefolgt.


In Schweden gilt das Jedermannsrecht. Einige Regeln sind zu beachten aber im Großen und Ganzen darf man übernachten wo man will. Wir schlafen nur ein paar Mal auf einem Campingplatz. Der kleine WoMo Führer für Schweden ist eine tolle Hilfe um versteckte, abgelegene Stellplätze zu finden. Niemanden stört es, wir halten fast immer an einem schönen See mit Lagerfeuerplatz. Lagerfeuer ist auch bitternötig, denn wir frieren uns ständig unseren Allerwertesten ab. Meine grösste Sorge gilt Mika. Obwohl er gut eingepackt ist und nicht friert, habe ich ein schlechtes Gewissen. Und so entscheiden wir uns  ein Ferienhaus zu mieten um wenigstens mal aus der Kälte zu kommen. Wie sich heraus stellt, war das eine gute Idee, denn das Thermometer zeigt 6 Grad am Morgen. Belohnt werden wir mit abendlichem Besuch. Plötzlich stehen zwanzig Rentiere direkt vor unserem Fenster. Das ist ein Spaß. Mika allerdings interessiert das nicht so sehr, er will lieber schlafen. Wir sind angetan von diesen Tieren und so sitzen wir vor dem Fenster und schauen ihnen zu. Es fühlt sich ein bisschen wie Weihnachten an. Nur der Schlitten fehlt.


Das Fjällgebiet - jetzt wird es wild

 

Wer es bis zum Nippfjället schafft, der sollte auch unbedingt nach Grövelsjön fahren. Hier beginnen die riesigen Weiten des Fjälls das sich hunderte Kilometer an der wilden Grenze zu Norwegen hoch zieht. Hier wird man mit wunderbaren Wanderwegen, kristallklaren Flüssen und einer einzigartigen, ursprünglichen Landschaft belohnt. Eine raue und dennoch schöne Weite voller Kraft und Farben. Da es auch hier oft kalt ist, packen wir Mika dick ein und wickeln zusätzlich noch eine Decke um ihn. Unser schönstes und verrücktestes Frühstück haben wir dann auch im Fjäll. Bibbernd Kaffee kochen, Müsli, Thermoskanne und Decke einpacken und loswandern. Knapp über der Baumgrenze finden wir einen traumhaften Platz im Heidekraut. Der Blick schweift über den von steilen Bergen eingefassten stahlblauen Grövelsjoen, die grün-gelblichen Weiten des Fjälls und schroffe Berggipfel, samt schimmernder Schneefelder.

Es ist kalt aber die Sonne wärmt und das Panorama ist perfekt.


Wir genießen diese atemberaubende Landschaft in vollen Zügen. Gern würden wir hier länger verweilen doch wir müssen zurück. Der Weg zur Fähre zieht sich dann leider auch wie Kaugummi. Jetzt bemerken wir, dass wir doch viel zu viele Kilometer hoch gefahren sind. Wir müssen uns ziemlich abhetzen. Das plane ich beim nächsten Mal definitiv anders. Mit einem Baby ist so ein Roadtrip eben doch anders-auf jeden Fall entschleunigend! 

 

Als wir an der Fähre ankommen regnet es schon wieder. Wir sind uns dennoch einig, Schweden ist ein wunderschönes Land. Es liegt quasi ums Eck, wenn man wie wir im Norden Deutschlands wohnt und es ist ideal für Kinder.

Leider hatten wir Pech mit dem Wetter. Deshalb werden wir ganz bestimmt diese Tour wiederholen. 

Ein Baby und ein Campervan sind defintiv ein gutes Team. Mika ist ausgeglichen wie nie zuvor, ihm tut die Nähe zu Mama und Papa gut. Die neuen Eindrücke machen ihn müde am Abend und lassen ihn gut schlafen. 

Diese Reise war eine wichtige Erfahrung für uns alle. Wir wussten nicht wie es wird zu dritt. Nun sind wir froh über unser MikaTravelkid und stolz auf uns. Wir sind auch mit Baby im Schlepptau immernoch die Reisefamilie und legen nun erst richtig los. 


Campervan und Baby - try it. Du wirst es nicht bereuen. 




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Kommentare: 1
  • #1

    Ina (Samstag, 27 Januar 2018 14:51)

    Ja Schweden ist wunderschön und immer eine Reise wert. Stockholm gehört auch zu einer meiner Lieblingsstädte. eine kurze Korrektur, das Jedermannsrecht(allemannretten) gilt im Prinzip nicht für Autos/Wohnmobile usw. , allerdings wenn man sich an die üblichen Regeln hält, sagt hier im Norden niemand was dagegen frei zu stehen.

    Lg aus Norwegen
    Ina

    www.mitkindimrucksack.de