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Augen zum Niederknien - Gorillas in Uganda


 

Der Morgen war angenehm kühl, der Morgennebel zerfaserte langsam als die Sonne aufging. Am Vortag sind wir aus dem heißen Savannengebiet des Queen Elizabeth Nationalparks mit all seinen Elefanten und Löwen hinauf in die grüne regenwaldbedeckte Bergwelt des Bwindi Nationalparks gefahren. Die Fahrt steckte mir noch ein wenig in den Knochen umso mehr freute ich mich darauf heute durch den Wald stiefeln zu können. Doch ein wenig Sorge machte ich mir schon. Das Regenwaldgebiet war recht zerklüftet, ordentlich steil und trug angeblich nicht umsonst den Namen „Der Undurchdringliche“. Würden wir überhaupt Gorillas finden? Etwas skeptisch spähte ich in das doch recht blickdichte Dickicht. Ich würde wahrscheinlich an einer ganzen Herde Elefanten vorbeilaufen ohne es zu merken.

 


 

Wir liefen vom Zeltcamp hinüber zum Sammelpunkt. Aus einem verrosteten Truck wuchsen ein paar Bäume und am Rande der Lichtung stand eine wenig vertrauenserweckende Bretterbude.  Zuerst die Sicherheitshinweise. Langsam wurde ich wach. Es ging um Gorillasicherheit, nicht um unsere. Wunderbar. So sollten wir mindestens 7 Meter Abstand halten damit keine Krankheiten übertragen werden können. Blitzen, schwatzen und futtern ist da oben an den Berghängen bei den Gorillas verboten. Das machte alles Sinn und war einsichtig. Ich scharrte mit den Hufen und wollte endlich los.

 

Jetzt sollten wir uns noch einen Träger aussuchen. Einen Träger für meinen kleinen Rucksack? War das wirklich sinnig? Doch wieder wurde ich eines Besseren belehrt und habe eine der besten und effektivsten Schutzmaßnahmen für die bedrohte Gorillapopulation kennen gelernt.

 

Alle Bauern aus den umliegenden Dörfern dürfen der Reihe nach als Träger arbeiten. Jeder ist alle paar Monate dran und kann an einem Tag deutlich mehr verdienen als normal in einer ganzen Woche. So haben alle Bewohner um das Schutzgebiet herum  ein sehr großes Interesse daran, dass die Gorillas nicht als Bushmeat enden. Wir hatten gleich 2 Träger angeheuert. Die jungen Männer waren ungemein nett und hilfreich.

 


 

Ein Ranger führte uns auf recht ordentlichen Pfaden zielstrebig hinauf in den Bergregenwald. Der Weg war steil aber machbar. Die Tiere sind ja nicht angepflockt und wir nicht im Zoo daher kann man nie sagen, wo die Tiere gerade sind. Andere Ranger hatten die Tiere schon lokalisiert und unserem Ranger per Funk gesagt, wo die Gruppe ist. So sparten wir uns eine lange Sucherei. Etwas erschöpft waren wir dafür doch sehr dankbar.

 

Nun war es endlich soweit und die ersten schwarzen Fellrücken wurden sichtbar. Ein Lebenstraum ging in Erfüllung und ich wurde ganz aufgeregt.

So aufgeregt, dass ich die Gorilladame über mir im Baum erst gar nicht bemerkte. Als ich dann doch irgendwann hochblickte, sog mich dieser Blick gleich in seinen Bann. Da lag sie ganz entspannt oben in einer Astgabel und schaute majestätisch bis gelangweilt zu mir hinunter. 

 


Auf einmal waren wir mitten unter ihnen. Der Silberrücken hatte kein Interesse an uns, drehte sich um und wir verzichteten dann doch lieber darauf ihm näher an den Pelz zu rücken. Doch direkt vor unseren Augen bot sich ein unvergessliches Schauspiel.

Ein kleines Junges übte sich arg tollpatschig im Brust trommeln. Eine Gorillamutter streichelte äußerst liebevoll und zärtlich ihr Baby. Der auch schon imposante Cousin des Silberrücken ließ sich ganz in unserer Nähe nieder und versank in der philosophischen Betrachtung eines Pflanzenstengels und zwei Jungtiere kamen herangetollt und kugelten spielend zu meinen Füßen herum. Es war absolut faszinierend.

Ich bin überhaupt gar kein Freund davon Tiere zu vermenschlichen aber ich kam mir vor als säße ich inmitten einer ganz normalen Großfamilie. Aber es waren Wildtiere, mitten im afrikanischen Regenwald.

 

Die Zeit verging wie im Fluge und ich konnte es gar nicht glauben als der Ranger sagte unsere Stunde sei rum, es sei Zeit für den Abstieg – die Tiere bräuchten jetzt ihre Ruhe. Absolut richtig und doch unglaublich schade.


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